Bauakten digitalisieren: TR-RESISCAN-ready mit KODAK i4650 und Capture Pro

Axel Schlender

Senior Application Engineer bei Kodak Alaris Germany GmbH
Auf einen Blick

Projektziel

Ziel des Projekts war es, anspruchsvolle Bauakten strukturiert und langfristig digital nutzbar zu machen. Der geplante Digitalisierungsprozess sollte klassische Aktenbestandteile, großformatige Pläne und teilweise fragile historische Unterlagen gleichermaßen berücksichtigen.

Herausforderung

Bauakten enthalten Unterlagen in unterschiedlichen Papierformaten, darunter gefaltete Zeichnungen und Pläne bis zum Format A0. Farbige Markierungen, Stempel und handschriftliche Ergänzungen mussten bei der Erfassung vollständig erhalten bleiben. Zugleich mussten die Dokumente über Metadaten korrekt zugeordnet, auf Vollständigkeit und Qualität geprüft und für die digitale Weiterverarbeitung bereitgestellt werden.

Lösung

Die Lösung kombiniert den KODAK i4650 Scanner und die KODAK Capture Pro Software mit QR-Code-Indexierung und einer XML-basierten Übergabe an JobRouter. Ein separater Großformatscanner und eine Auto-Import-Station ermöglichen die Einbindung von Plänen bis zum Format A0. Zwei Qualitätssicherungsstufen einschließlich Stichprobenkontrolle sowie ein Transfervermerk ergänzen den Ablauf. Für Dokumente mit normalem Schutzbedarf kommt eine separate OpenPGP-Signaturdatei zur Integritätsprüfung hinzu.

Ergebnis

Als Ergebnis entstehen farbige, volltextfähige PDF/A-3-Dokumente. Großformatige Pläne bleiben dabei dem zugehörigen digitalen Aktenbestand zugeordnet. Strukturierte Indexdaten und dokumentierte Qualitätsprüfungen unterstützen Recherche und Weiterverarbeitung. Bei PDF-Dateien mit separater OpenPGP-Signatur lässt sich mit dem zugehörigen öffentlichen Schlüssel prüfen, ob sie seit der Signatur unverändert geblieben sind.

Wer Bauakten digitalisieren möchte, steht vor besonderen Anforderungen in der Dokumentendigitalisierung. Bauakten sind häufig sehr heterogene Dokumentenbestände, die über viele Jahre gewachsen sind und unterschiedliche Anforderungen an ihre digitale Erfassung und Weiterverarbeitung stellen. Für öffentliche Auftraggeber ist deshalb ein nachvollziehbarer Ablauf entscheidend, der Erfassung, Indexierung, Qualitätssicherung und Weiterverarbeitung sinnvoll miteinander verbindet. Diese Case Study zeigt, wie bvs Belegverwaltungssysteme diesen Ansatz bei der Digitalisierung von Bauakten umgesetzt hat. Die eingesetzte Technik und der konkrete Workflow werden in den folgenden Abschnitten erläutert.

Herausforderung: Bauakten digitalisieren bei unterschiedlichen Formaten und Plänen.

Bauakten sind durch ihre Heterogenität geprägt. Neben aktuellen Schriftstücken enthalten sie häufig historische Unterlagen, Pläne in unterschiedlichen Formaten, farbige Stempel, handschriftliche Eintragungen und empfindliches Papier. Bei BVS umfasst das Beleggut unter anderem teilweise fragile Unterlagen aus den 1920er- und 1930er-Jahren sowie großformatige Pläne bis A0.

Daraus ergeben sich in der Praxis besondere Anforderungen:


  • Unterschiedliche Formate und Materialien müssen verarbeitet werden, ohne den Zusammenhang der Akte zu verlieren.
  • Großformatige Pläne bis A0 müssen gemeinsam mit den übrigen Bestandteilen der Bauakte digital erfasst und nutzbar gemacht werden.
  • Farbige Inhalte wie Markierungen, Stempel und Planzeichnungen können fachlich relevant sein und werden bei BVS vollständig in Farbe erfasst.
  • Empfindliches und historisches Beleggut erfordert eine sorgfältige Vorbereitung und einen materialgerechten Umgang.
  • Strukturierte Metadaten müssen zuverlässig mit den gescannten Dokumenten verknüpft werden, damit die Zuordnung im nachgelagerten Workflow und im Zielsystem nachvollziehbar bleibt.
Die BSI TR-03138 beschreibt technische und organisatorische Maßnahmen für das ersetzende Scannen. Sie dient Anwendern und Dienstleistern als Rahmen, um Prozesse für eine nachvollziehbare Digitalisierung mit einem möglichst an das Original angenäherten Beweiswert auszugestalten.
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Prozessbausteine der BVS-Lösung zur Digitalisierung von Bauakten

Prozessbaustein Umsetzung bei BVS Nutzen für Auftraggeber
Papiergebundene Aktenbestandteile Erfassung mit dem KODAK i4650 Scanner. Robuste Scanbasis für gemischte Aktenbestände.
Großformate Einbindung der Scans eines separaten Großformatscanners für Pläne und Zeichnungen bis A0 über die Auto-Import-Station. Auch großformatige Unterlagen bleiben Bestandteil der digitalen Akte.
Metadaten Vorerfassung und Übergabe per QR-Code. Dokumente und Indexdaten werden einheitlich zusammengeführt.
Erfassungssoftware KODAK Capture Pro Software. Bild-, Dokument- und Indexinformationen stehen für die weitere Verarbeitung strukturiert bereit.
Nachgelagerter Ablauf XML-Übergabe an die Workflowplattform JobRouter. Durchgängiger Informationsfluss zwischen Erfassung, Prüfung und Finalisierung.

 

Der BVS-Workflow im Überblick

BVS digitalisiert nach eigenen Angaben seit 1990 komplexe Dokumentenbestände und ist nach ISO 27001 zertifiziert. Das Unternehmen verfügt über Erfahrung mit Bauakten, großformatigen Plänen und historischem Beleggut. Bei entsprechendem Projektumfang realisiert BVS Vorhaben bundesweit; ein Schwerpunkt liegt im bayerischen kommunalen Umfeld.

Der Workflow kombiniert Scan-Hardware, KODAK Capture Pro Software als zentrale Erfassungsplattform und die nachgelagerte Workflow-Steuerung mit JobRouter. Er umfasst Vorbereitung, Erfassung, Qualitätssicherung, Übergabe und Finalisierung. KODAK Capture Pro unterstützt dabei die Dokumentenerfassung und -indexierung, das Auslesen von QR-Codes sowie die Bereitstellung strukturierter Bild-, Dokument- und Indexinformationen für die weitere Verarbeitung. Der beschriebene Scanprozess wurde im VOI-CERT-Prüfverfahren „TR-RESISCAN ready“ geprüft. Die Prüfkriterien basieren auf der BSI TR-03138; die Prüfung ist von einer Zertifizierung durch das BSI zu unterscheiden.

1. Vorbereitung, Scan und Erfassung

Nach der Vorbereitung der Unterlagen werden die papiergebundenen Bestandteile der Bauakte mit dem KODAK i4650 Scanner vollständig in Farbe erfasst. Die farbige Digitalisierung ist insbesondere für Pläne, Stempel, Markierungen und handschriftliche Ergänzungen von Bedeutung. Gerade bei älteren Beständen kann der Informationsgehalt über den reinen Text hinausgehen; die farbige Darstellung unterstützt daher die fachliche Nachvollziehbarkeit.

Relevante Metadaten werden bereits vor dem Scan erfasst und in einem QR-Code hinterlegt. KODAK Capture Pro Software liest diesen während der Erfassung aus und verwendet die enthaltenen Angaben für die Indexierung. Dokumente und Indexdaten werden dadurch einheitlich zusammengeführt, manuelle Übertragungsschritte reduziert und eine strukturierte Grundlage für die spätere Recherche, Zuordnung und Weiterverarbeitung geschaffen.

Großformatige Pläne und Zeichnungen bis A0 werden mit einem separaten Großformatscanner digitalisiert. Über die Auto-Import-Station werden sie in die Prozesskette eingebunden, sodass sie gemeinsam mit den übrigen Aktenbestandteilen im digitalen Aktenkontext verfügbar bleiben.

2. Erste Qualitätssicherung am Indexarbeitsplatz

Nach der Erfassung werden die Indexdaten und Dokumentinformationen an einem separaten Indexarbeitsplatz in KODAK Capture Pro geprüft. Dabei wird kontrolliert, ob die Dokumente den richtigen Indexinformationen zugeordnet sind.

3. XML-Übergabe und zweite Qualitätssicherung

Die in KODAK Capture Pro strukturiert bereitgestellten Bild-, Dokument- und Indexinformationen werden automatisiert in eine XML-Struktur für die nachgelagerte Workflowplattform überführt. JobRouter steuert die weiteren Verarbeitungsschritte und unterstützt die zweite Qualitätssicherungsstufe.

Für die Stichprobenkontrolle werden Stapel- und Dokumentdaten herangezogen. Dazu werden zufällig vollständige Stapel ausgewählt und vollständig mit den digitalisierten Dokumenten abgeglichen. Die Papierunterlagen werden den PDF-Scanprodukten Seite für Seite gegenübergestellt. Dies erleichtert die Rückverfolgung in den physischen Akten und ermöglicht einen systematischen Abgleich von Papier- und Digitalbestand.

Die BSI TR-03138 schreibt keine feste Stichprobenquote vor. Bei normalem Schutzbedarf kann die Vollständigkeitsprüfung in weitgehend automatisierten Prozessen auf regelmäßig durchgeführte Stichproben reduziert werden. Umfang und Auswahlverfahren sollen sich am Schutzbedarf, an der Zuverlässigkeit des Scansystems und an vorherigen Prüfergebnissen orientieren. Der BSI-Anwendungshinweis nennt zwei bis vier Prozent der eingescannten Dokumente als mögliche geringe Stichprobe und erlaubt auch eine Auswahl nach Scanstapeln.

4. Transfervermerk und Integritätssicherung

Nach erfolgreicher Qualitätssicherung werden die aus KODAK Capture Pro stammenden Informationen für den Transfervermerk aufbereitet und in das Scanprodukt integriert. Der Transfervermerk dokumentiert zentrale Angaben zum Erfassungsvorgang sowie zum Ergebnis der Qualitätssicherung.

Für Dokumente mit normalem Schutzbedarf wird die finale PDF-Datei nach Einbettung des Transfervermerks mit einer abgesetzten OpenPGP-Signatur versehen. Die Signaturdatei ist nicht in die PDF eingebettet. Mit ihr und dem zugehörigen öffentlichen Schlüssel lässt sich später prüfen, ob die PDF-Datei seit der Signatur unverändert geblieben ist. JobRouter orchestriert die Finalisierungsschritte.
Die Integritätssicherung ist ein zusätzlicher technischer Baustein. Sie ersetzt weder eine Verfahrensdokumentation noch die projektbezogene Schutzbedarfsanalyse oder die Prüfung gesetzlicher Aufbewahrungsanforderungen. Die BSI TR-03138 empfiehlt für normalen Integritätsschutz geeignete kryptografische Mechanismen in Form fortgeschrittener elektronischer Signaturen oder Siegel. Bei anderen Mechanismen ist schriftlich nachzuweisen, dass diese ausreichend widerstandsfähig sind.
Ergebnis des Workflows sind farbige, volltextfähige PDF/A-3-Dokumente, die zusammen mit strukturierten Prozessinformationen für Recherche, Nutzung und digitale Weiterverarbeitung bereitstehen.
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Aktuelle Ausbaustufe und Perspektive

Die Case Study beschreibt die derzeit bei BVS eingesetzte Prozesskonfiguration. Mit dieser Konstellation sammelt das Unternehmen weitere Betriebserfahrung. Ein späterer Ausbau um zusätzliche Erfassungsstationen oder eine Anpassung der technischen Architektur ist grundsätzlich denkbar, gehört jedoch nicht zum aktuell beschriebenen Lösungsumfang.

Fazit

Die von VOI-CERT als „TR-RESISCAN ready“ geprüfte Bauakten-Digitalisierung bei BVS zeigt, wie sich anspruchsvolle Papierbestände in einen kontrollierten digitalen Prozess überführen lassen.

Die beschriebene Prozesskette ist ein Praxisbeispiel von BVS. Für weitere Digitalisierungsprojekte müssen Schutzbedarf, Verfahrensdokumentation, Zielsysteme und organisatorische Anforderungen jeweils individuell bewertet werden.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Warum ist es anspruchsvoll, Bauakten zu digitalisieren?
Wer Bauakten digitalisieren möchte, muss unterschiedliche Papierformate, großformatige Pläne und teilweise empfindliche historische Unterlagen berücksichtigen. Auch farbige Markierungen, Stempel und handschriftliche Ergänzungen können fachlich relevant sein. Die Herausforderung besteht darin, diese Informationen zu erhalten und die Dokumente innerhalb der digitalen Akte korrekt zuzuordnen.
Wie werden Pläne bis A0 in die digitale Bauakte eingebunden?
Pläne und Zeichnungen bis zum Format A0 werden im beschriebenen Workflow mit einem separaten Großformatscanner erfasst. Über eine Auto-Import-Station werden die Scans in den weiteren Erfassungsprozess übernommen. So bleiben die großformatigen Unterlagen dem zugehörigen digitalen Aktenbestand zugeordnet.
Welche Aufgabe übernimmt die QR-Code-Indexierung?
Die QR-Code-Indexierung überträgt vorerfasste Metadaten in den Erfassungsprozess. KODAK Capture Pro liest den QR-Code aus und übernimmt die enthaltenen Angaben für die Indexierung. Dadurch werden Dokumente und Indexdaten miteinander verknüpft und manuelle Übertragungsschritte reduziert.
Was unterscheidet „TR-RESISCAN ready“ von einer BSI-Zertifizierung?
„TR-RESISCAN ready“ ist ein Prüfverfahren von VOI-CERT, dessen Prüfkriterien auf der BSI TR-03138 zum ersetzenden Scannen basieren. Es ist von einer Zertifizierung durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik zu unterscheiden. VOI-CERT beschreibt das Verfahren als Alternative oder mögliche Vorstufe zu einer BSI-Zertifizierung.
Schreibt die BSI TR-03138 eine feste Stichprobenquote vor?
Nein. Umfang und Auswahl der Stichproben müssen auf den jeweiligen Anwendungsfall, den Schutzbedarf und die Zuverlässigkeit des Scansystems abgestimmt werden. Der BSI-Anwendungshinweis F nennt zwei bis vier Prozent der eingescannten Dokumente als mögliches Beispiel einer geringen Stichprobe; auch eine Auswahl nach Scanstapeln ist möglich. Diese Beispiele sind keine allgemein verbindliche Vorgabe.
Was lässt sich mit einer abgesetzten OpenPGP-Signatur prüfen?
Mit der separaten OpenPGP-Signaturdatei und dem zugehörigen öffentlichen Schlüssel lässt sich prüfen, ob die signierte PDF-Datei seit der Signatur unverändert geblieben ist. „Abgesetzt“ bedeutet, dass die Signatur in einer eigenen Datei vorliegt und nicht in die PDF eingebettet ist. Die Prüfung weist jedoch nicht nach, dass die ursprüngliche Bauakte vollständig oder inhaltlich korrekt erfasst wurde – dafür sind die vorgesehenen Qualitätsprüfungen erforderlich.

Über den Autor

Axel Schlender

Als IT Business Consultant bei Kodak Alaris Germany GmbH mit Sitz in Stuttgart beschäftigt er sich mit Themen rund um Input Management, Scannen und Erfassen, Prozessverarbeitung und -optimierung sowie zentrale und dezentrale Erfassungslösungen in Multikanalumgebungen. Seine Schwerpunkte liegen insbesondere auf Intelligent Document Processing (IDP), Künstlicher Intelligenz, der Erfassung komplexer Inhalte aus unterschiedlichsten Dokumentenarten sowie der Automatisierung von Prozessen zur Reduktion manueller Routinetätigkeiten. Er unterstützt Kunden aus verschiedenen Branchen und Märkten, darunter häufig Organisationen aus dem öffentlichen Sektor, bei der Bewertung, Prüfung und Optimierung dokumentenbasierter Geschäftsprozesse.

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